Von Anwalt zu Anwalt

Ein Anwalt ist nicht nur Jurist – er ist auch Geschäftsmann, Unternehmer, Entrepreneur.

Ein Anwalt muss Kenntnisse auf vielen Gebieten haben – von Buchhaltung über Computerkenntnisse, Personalwesen, Psychologie bis Verhandlungstechnik. Das ist es, was diesen Beruf so aufregend (in jedem Sinne des Wortes) macht.

Der Beruf des Anwalts hat sich gewandelt.

Ich bin seit fast 40 Jahren Anwalt. Ich habe die Entdeckung des Computers in der Anwaltskanzlei mitgemacht. Mein Ausbilder als Anwalt diktierte noch seiner Sekretärin in den Stenoblock, ich habe noch mit PCs gearbeitet, die unter CPM liefen.

Telefone sehen heute ganz anders aus als damals: ich bezweifle, dass ein Zehnjähriger heute überhaupt noch die damaligen Telefone als solche identifizieren könnte, geschweige denn, bedienen könnte.

Ich war immer in relativ kleinen Kanzleien: heute sind wir zwei Anwälte unterschiedlichen Alters und mit eng begrenzten Spezialgebieten. Ich habe die Entwicklung vom Anwalt, der alles „kann“, zum Fachanwalt mitgemacht, der nur noch Familienrecht macht.

Das Internet wird die Branche weiter verändern.

Da bin ich sehr sicher (und sicher banal): das Internet hat die Branche verändert und wird sie weiter ändern, auch wenn die deutschen Anwälte mir noch sehr stark zu fremdeln scheinen.

Es gibt ja noch Kollegen, die auf Butterbrotpapier texten:  Ohne Internet wäre ich aufgeschmissen. Statt das Gesetzbuch aufzuschlagen, wird gegoogelt, die Gerichte veröffentlichen ihre Entscheidungen online , demnächst wird digital Klage erhoben und die Hängeregistratur hat ausgedient.

Mein Eindruck ist: wir Anwälte stehen da erst am Anfang, wir sehen nur die ersten Anzeichen des Sturms am Horizont.

Wenn Computer mittlerweile bessere Diagnosen abgeben als erfahrene Ärzte, glauben wir dann wirklich, unsere Branche werde verschont bleiben?  „Frag einen Anwalt“, „Online-Scheidung“ – alles nur Quatsch? Oder ist nicht eher der Satz: „Meine Mandanten vertrauen mir“ pure Selbsttäuschung, die offenbar werden wird, wenn der Mandant nicht wiederkommt.

Nur die Anwälte ändern sich nicht.

Eins scheint sich nicht geändert zu haben: Anwälte sind Einzelgänger.

Wenn ich mir die amerikanische Anwaltsszene ansehe, scheint es mir mehr Erfahrungsaustausch und gegenseitige Unterstützung zu geben. Das ist zugegebenermaßen manchmal auch kommerzieller, aber Hauptsache, es hilft.

Es fehlt  an Kommunikation, gegenseitiger Unterstützung  (vielleicht gibt es auch zu viel Konkurrenzdenken) und Vermittlung von Wissen und Erfahrungen.

Erfahrungen und Wissen teilen.

Ich möchte meine Erfahrungen teilen,  mit meinen Beiträgen meine eigene Position überdenken und vielleicht wertvolle Tips bekommen, die mir weiterhelfen. Wenn ich damit auch meiner Konkurrenz helfe – ich bin 65 – so what?

Ich glaube, Diskussion und Kooperation wird jedem einzelnen mehr nützen als mir schaden (Ich bin halt ein klassischer Liberaler, ich glaube an so was).

Das sollen meine Themen sein: Die Soft Skills, die Technik, das Internet, Marketing  – alles, was der Anwalt  braucht.

  • Wie organisiere ich meine Praxis?
  • Was bedeutet Kundenorientierung für den Anwalt?
  • Wie sieht gutes Anwaltsmarketing aus?
  • Was bedeutet Spezialisierung für den Anwalt heute?
  • Welche Technik braucht die moderne Rechtsanwaltskanzlei?

 

 

Verfasser:

Fachanwalt für Familienrecht

Kurt Schulte Herbrüggen

47058 Duisburg

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